Der Trainer spricht

Nummer 1 in der Stadt. "Mussten über acht Jahre auf dieses Kräftemessen warten"

13. Oktober 2021, 09:02 Uhr

Julian Middeke ist immer mit Hunterprozent dabei

Julian Middeke ist bereits seit einigen Jahren Trainer beim A-Ligisten SV Bredenborn. In dieser Saison sind die Germanen in der Gruppe 2 der Kreisliga A sehr gut unterwegs und auf dem besten Weg die Meisterrunde klar zu machen. Wir haben uns mit dem Bredenborner Coach ausführlich unterhalten und seine Zeit im Eichenwald und die aktuelle Situation erörtert.

FubaNews: Julian, nach fünf Spielen seid ihr richtig stark unterwegs. Vier Siege und nur die Niederlage in Lüchtringen verhinderte eine weiße Weste. Wie fällt dein Fazit bisher aus. Es gibt doch sicherlich nicht viel zu kritisieren, oder?

Julian Middeke: Den bisherigen Saisonverlauf haben sich die Jungs absolut verdient. Wir haben in den Spielen gesehen, dass wir mit jeder Mannschaft mithalten können, wenn wir unsere Qualitäten auf den Platz bekommen. Jedoch wissen wir auch, dass der Aufwand für die drei Punkte am Sonntag aktuell bei 100 % liegt. Diese Tatsache müssen wir uns immer und immer wieder vor Augen führen, anders werden wir am Sonntag auch nicht gegen den SV Brenkhausen bestehen. 


Die Niederlage gegen Lüchtringen war aufgrund der ersten 40. Min vermeidbar, letztendlich dann aber auch in der Höhe verdient. Das ärgert mich. Ich bin ein Freund von einer starken Defensive und freue mich über ein zu null mehr, als den Gegner 5:3 nach Hause zu schicken.

Kann deine Mannschaft in dieser Spielzeit vielleicht den Meisterschaftskampf richtig spannend gestalten, oder führt am Ende an Bad Driburg kein Weg vorbei?

Middeke: Ich schaue aktuell überhaupt nicht auf die andere Gruppe, sondern verfolge nur unsere Ziele in der Gruppe 2. Diese sind immer noch der schnellste Weg zum Klassenerhalt und die Nummer 1 in der Stadt. Mehr als acht Jahre mussten wir nunmehr auf dieses Kräftemessen warten. Damit stehen wir jedoch nicht alleine da, es wird ein knappes Rennen unter den ersten vier Plätzen bis zum Schluss! 


Ich kann mich aber auch nur der Meinung vieler meiner Trainerkollegen anschließen, dass ich es unverständlich finde, warum es keine eingleisige A-Liga gibt. Dennoch belohnt der TuS sich aktuell für seine Arbeit in den letzten Jahren und steht verdient auf Platz 1 entscheiden wird sein, wie Driburg die kommenden Wochen mit den Tiefen Rasenplätzen zurechtkommt, denn auch TIG spielt eine starke Serie.

Wie würdest du Außenstehenden eure Spielidee beschreiben. Was auffällt, ist, dass sich alle ungemein untereinander pushen und sich unterstützen. Ist das ein Schlüssel für den Erfolg bisher?

Middeke notiert fast alles, um eine aussagefähige Statistik zu erhalten

Middeke: Ich finde den Begriff „Spielidee/-system“ immer ein wenig hochgegriffen, klar gibt es eine Grundordnung, aber viel wichtiger ist doch die Tatsache, wie spielt mein Team mit und vor allem ohne Ball? Ich erwarte von meinen Spielern eine hohe Intensität und eine bedingungslose Hingabe über 90 Min, das machen die Jungs aktuell überragend.

Zudem spielt für mich die Kommunikation auf und neben dem Platz eine zentrale Rolle, um als Mannschaft erfolgreich zu sein. Das versuchen wir auch immer wieder im Training als Schwerpunkt in die Einheiten einzubauen.

Wenn du als Außenstehender sagst, die Jungs puschen sich untereinander unheimlich, kann die Mannschaft doch kein größeres Kompliment bekommen, als das man sieht, dass jeder für den anderen durchs Feuer geht.

Mit Norbert Gölüke habt ihr auf der Position des sportlichen Leiters eine ganz starke Konstante im Verein. Wie wichtig ist er für dich als Ansprechpartner oder auch mal Ratgeber und insgesamt für den Verein?

Middeke: Norbert und ich haben vor sechs Jahren gemeinsam das Ruder beim SVB übernommen, der Erfolg der letzten Jahre stützt sich dabei auf drei Säulen: Der Mannschaft, dem Vorstand und dem Trainerteam. Für mich gibt es keine bessere Besetzung als Norbert als sportlichen Leiter. Im Verbund mit Dirk Bickmann als Fußball Obmann, ziehen beide am gleichen Strang.

Die Kommunikation ist immer offen und ehrlich, alle Entscheidungen um die Mannschaft treffen wir im Team und natürlich steht er mir mit seiner Erfahrung jederzeit zur Seite. Niemals aber würde er sich in Taktik oder Trainingsabläufe einmischen, sondern fördert mich auf meinem eigenen Weg als Trainer. Dieses Gespür und den respektvollen Umgang untereinander kann man nicht hoch genug anrechnen. Aber genau das macht gerade Norbert und unseren Verein in den letzten Jahren aus.

Es gab ja in den vergangenen Jahren einige Rückschläge und Enttäuschungen, bevor es endlich mit dem Aufstieg klappte. Welchen Einfluss hatten diese Ereignisse auf dich und was hast du davon für dich/euch mitnehmen können. Manchmal zieht man aus negativen Ereignissen ja die richtigen Schlüsse?

Middeke: Das verlorene Aufstiegsspiel war schon ein Schlag ins Gesicht. Dennoch muss ich mit Abstand sagen, dass es vllt. der falsche Zeitpunkt gewesen wäre. Ich sehe die Niederlage als Weckruf, dass man uns als SVB im Sportkreis Höxter nach Jahren wieder wahrgenommen hat. Seitdem sind viele gute und hungrige Spieler zu unserem Verein gestoßen, und es ist ein Ruck durch die Mannschaft gegangen.


Man kann es generell mehr positiv als negativ sehen, dass unsere Fans und Zuschauer eine sehr hohe Erwartungshaltung haben, das passt zu meinen Ansprüchen und vor allem hat die Mannschaft sich an diese Erwartungshaltung gewöhnt und extrem stabilisiert.

Du bist an der Linie nicht nur sehr impulsiv und coacht sehr offensiv von außen, sondern notierst dir im Spiel viele Dinge. Wie wertest du diese Dinge aus und wird dies alles in einer Nachbesprechung mit der Mannschaft diskutiert?

Middeke: Ich bin ein Freund von Statistiken, was Torvorlagen, Einsatzzeiten und Spielverläufe betrifft. Ich finde es wichtig, dass die Spieler nicht nur an Ihren Toren gemessen werden sondern am ganzen Wert für die Mannschaft. Ansonsten bezieht es sich auf Punkte, die ich für die HZ oder die kommende Trainingswoche notiere.

Grundsätzlich bemühe ich mich die Spiele unabhängig vom Ergebnis zu beurteilen, sehe oftmals aber viele Dinge vielleicht auch zu kritisch. Das ist dem Grund geschuldet, dass ich mich wenig bis gar nicht auf geleisteten ausruhen möchte, sondern zusammen mit der Mannschaft den größtmöglichen Erfolg im Auge habe.

Du bist ja schon lange bei den Germanen im Amt und immer recht engagiert und auch lautstark an der Linie im Einsatz. Sicherlich auch kräftezehrend. Erleben wir mit dir beim SVB den ewigen Julian oder kommt irgendwann der Punkt, wo du sagst, ich muss mal eine Pause einlegen oder etwas anderes machen?

Middeke: Wir hatten ja quasi erst 1 ½ Jahre Pause und was ich wirklich kräftezehrend finde, ist ein Sonntag auf dem Sofa ohne Fußball (lacht). Nein, ganz im Ernst, wie eben schon angesprochen tauschen Norbert und ich uns immer offen und ehrlich aus. Aktuell beschäftige ich mich ausschließlich mit der Leistung auf dem Platz und dem nächsten Gegner, das fühlt sich gut an.

Grundsätzlich glaube ich jedoch: „Fußball ist immer noch wichtig….“ und das nach Corona mehr denn je. Dafür sollten wir alle einstehen und gerade den jungen Spielern viele Dinge durch den Sport mit auf den Weg geben, solange ich dies noch mit der gleichen Energie leisten kann, ist eine Pause schwer vorstellbar.

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