Nachgefragt beim Coach

"Es gibt einige Beispiele von Vereinen die nicht rechtzeitig reagiert haben"

23. September 2021, 09:00 Uhr

In die Kreisliga A zu gehen war die richtige Entscheidung für den Verein. Davon ist Marcus Menzel fest überzeugt

Der FC Blau-Weiß Weser spielt seit 2005 erstmals wieder in der Kreisliga A nach dem freiwilligen Rückzug aus der Bezirksliga vor dieser Spielzeit. Der Auftakt ist dem Team von Trainer Marcus Menzel, der seit drei Jahren Cheftrainer an der Weser ist und davor schon unter Dennis Hustadt und Heiko Bonan als Co-Trainer fungierte, perfekt gelungen. Drei Spiele, drei Siege. Wir haben und dazu mit dem 39-Jährigen unterhalten. 

FubaNews: Hallo Marcus. Ihr hab euch nach den drei Auftaktsiegen gut in der A-Liga zurechtgefunden. Wie beurteilst du eure bisherigen Auftritte?

Marcus Menzel: Ja, das stimmt. Ich bin natürlich mit der Ausbeute zufrieden, da es ja nicht besser hätte laufen können.

Was sind aus deiner Sicht die gravierendsten Unterschiede zwischen der Bezirksliga und der Kreisliga A?

Menzel: Ich finde den Unterschied schon recht groß. Gerade bei den Themen Handlungsschnelligkeit und Physis (Regelkonform natürlich) in der Spielweise fällt mir das am meisten auf, das ist in der Bezirksliga deutlich ausgeprägter und auch erforderlich, um mithalten zu können. 

Vor der Saison gab es ja viele Unwägbarkeiten bei euch im Verein, der Rückzug in die A-Liga. Ein kleiner Kader. War es evtl. doch ein Fehler, es nicht in der Bezirksliga versucht zu haben?

Menzel: Ja, das ist richtig. Das ist auch nach wie vor so, dass der Kader zu klein ist. Das wollen und müssen wir ändern. Ich glaube nicht, dass es ein Fehler war. Wir waren meiner Meinung nach an einem kritischen und zukunftsweisenden Punkt. Wir konnten trotz aller Bemühungen im gesteckten Rahmen die Abgänge nicht mehr kompensieren oder zumindest nicht so, dass man davon ausgehen konnte, dass es erfolgversprechend sein wird. 


Des Weiteren ist die Mannschaft sehr jung und hatte kein Selbstvertrauen mehr. Dennis Ferranti, Thomas Wille und mich ausgenommen ist der älteste aktuell voll zur Verfügung stehende Spieler 23 Jahre alt. Das sind beste Voraussetzungen, um ein langfristiges Konzept umsetzen zu können. Dafür ist es aber wichtig, die Spieler zusammenhalten und die Entwicklung voranzutreiben. Wenn man jetzt betrachtet, wohin die Spieler unmittelbar gewechselt sind, welche uns verlassen haben, fällt auf, dass außer Max Pape (damals zur SpVg. Brakel ) keiner höher oder innerhalb der Liga gewechselt ist. 

Alle sind in die Kreisliga und zu Vereinen gegangen, die teilweise ambitioniert sind, aber wo sich dann auch der Freundeskreis befindet. Das ist aus meiner Sicht eine ziemlich deutliche Entwicklung in die Richtung in den letzten Jahren gewesen und da muss man reagieren. Auch viele Gespräche haben das deutlich gezeigt. Nur sehr wenige Spieler sind bereit zu wechseln, nur weil es Bezirksliga ist. 

Es gibt einige Beispiele von Vereinen, die nicht rechtzeitig reagiert haben. Teilweise haben sie sich wieder gefangen und sind wieder auf dem Weg zu alter Stärke aber das hat Jahre gedauert. Das würden wir uns gerne ersparen. Die Gründe sind also sehr vielfältig und ich könnte noch viel mehr aufführen aber das würde den Rahmen sprengen. Fakt ist, dass wir diese Entscheidung bewusst und nicht überhastet getroffen haben und wir die nach wie vor für die Richtige halten.

Wäre es zu einfach zu sagen. Ihr wäret in der BZ-Liga chancenlos gewesen und für die A-Liga wiederum zu stark?

Menzel: Die Mannschaft hat das Potenzial, in der Bezirksliga zu bestehen, daran haben wir keinen Zweifel, dafür sind aber aktuell noch nicht alle Voraussetzungen erfüllt. Der Kader müsste über mehr Quantität mit entsprechender Qualität verfügen. Dort ist viel weniger Raum für Experimente, weil wir mehr unter Druck stehen würden. Alles müsste von Anfang an funktionieren und wir könnten weniger experimentieren und dadurch auch Leistungsträger schonen, worauf wir aber bei einem schmalen Kader angewiesen sind. Die Möglichkeiten haben wir aktuell etwas mehr. Von daher glaube ich das nicht. 

Man muss wohl kein Prophet sein, dass ihr eure Staffel wohl gewinnen werdet bzw. es gut aussieht. Auch wenn erst wenige Spiele absolviert wurden. Sagt das aus deiner Sicht auch etwas über die Qualität der Liga aus oder spricht es letztendlich nur für deine Mannschaft?

Menzel: Dafür ist es noch zu früh und auch unfair den anderen Mannschaften gegenüber. Ich kann die Lage der Liga nicht beurteilen, da ich sie vorher nicht kannte. Ich weiß aber schon, dass wir eine gute Mannschaft haben, die über viel Potenzial verfügt. 

Der Kreis hat ja anderthalb Aufstiegsplätze. Gesetzt der Fall ihr hätte die Chance, nach nur einem Jahr wieder in die BZ-Liga zu kommen. Würde ihr diese wahrnehmen oder käme dies deutlich zu früh?

Menzel: Natürlich würden wir wieder hochgehen. Ein Jahr ist viel Zeit, um entscheidende Dinge ändern zu können. Die Spieler reifen und entwickeln sich in der Zeit. Wir konnten durch diesen Schritt unser Training ganz anders gestalten, als wir es in den letzten zwei abgebrochenen Jahren in der Bezirksliga hatten, gerade weil wir nicht so unter Druck stehen. Dadurch entwickeln sich die jungen Spieler entscheidend weiter, tanken Selbstvertrauen und lernen ihre eigenen Stärken und ihr Potenzial viel besser kennen. 


Ich will es mal so ausdrücken. Ein Boxer kann auch nicht an seiner Technik feilen, wenn er ständig die Deckung oben halten muss, weil er sonst auf die Bretter geht. Ich glaube einfach, dass wir uns jetzt entscheidend weiterentwickeln können, um den Schritt zurück in die Bezirksliga dann zu gehen, wenn wir uns dafür sportlich qualifizieren. Wenn das jetzt schon sein sollte, nehmen wir das natürlich mit und wenn es nicht reicht, dann werden wir weitermachen, bis es reicht. Wir machen uns da gar keinen Druck.

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